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Hethiter ArtikelIm "Fruchtbaren Halbmond" zwischen dem Mittelmeer, dem Persischen Golf und den arabischen Wüsten siedelten sich in diesem klimatisch günstigen Gebiet in dem 8. und 9. Jahrtausend v. Chr. erste autarke Bauern an. Um 7700 bildete sich eine seßhafte Agrargesellschaft heraus. Die weltältesten Städte Jericho (8 Tausend v. Chr) und Çatal Hüyük (7 Tausend v. Chr.) entstanden hier. In dem 3. Jahrtausend v. Chr. besiedelten die Hattier Anatolien und bildeten die Urbevölkerung. Mit ihr vermischten sich die Hethiter als indogermanische (indoeurpäische) Sprachträger, die gegen Ende des 3. Jahrtausend v. Chr./Anfang des 2. Jahrtausend v. Chr. in dieses Gebiet einwanderten. Unter weiteren nomadischen Einflüssen kristallisierte sich Mitte des 2. Jahrtausend v. Chr. das Großreich der Hethiter heraus, zum weite Teile Anatoliens und zeitweise auch die nördliche Hälfte des heutigen Syrien zählten.
Die Herrscher Ägyptens und Babyloniens betrachteten die Hethiter als gleichrangige Partner, mit denen sie sowohl diplomatische Kontakte und Handelsbeziehungen unterhielten als auch Vormachtkämpfe führten. Ein einzigartiges Beispiel für dieses Spiel der Mächte ist die Schlacht bei Kadesch (1274 v. Chr.) und der nachfolgende Vertrag zwischen Ramses II. und Hattusili III. Hierbei handelt es sich um den ältesten bekannten Friedensvertrag der Welt, von dem unter anderem eine Kopie - als ein Symbol für den Frieden - in dem UNO-Gebäude in New York City zu sehen ist.
Mit dem Untergang des hethitischen Reiches Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr., gekennzeichnet durch die Zerstörung der städtischen Zentren durch Brände und den Verlust unzähliger Schätze, verliert sich die Spur dieser stets noch rätselhaften Kultur.
Ihre Sprache zählt zur anatolischen Untergruppe der indogermanischen Sprachfamilie. Vermutlich sind sie aus Südrussland über den Kaukasus nach Anatolien eingewandert. Als Zeitraum der Einwanderung wird die zweite Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. angenommen. Da weder eine gewaltsame Invasion noch eine Völkerverschiebung in dem großen Stil stattfand, ist keine genaue Datierung möglich. Anscheinend wanderten indogermanische Gruppen nach und nach in Anatolien ein und vermischten sich teilweise mit der einheimischen hattischen Bevölkerung. Etwa gleichzeitig kamen auch andere indogermanische Einwanderer: Die Luwier ließen sich in dem Süden und Westen und die Palaier in dem Norden und Nordwesten Anatoliens nieder.
Die Hethiter übernahmen von den Hattiern die Nennung Hatti für das Land. Ihre Sprache nannten sie dagegen Nesisch , nach der Stadt Kanisch/Nesa.
Die Hauptstadt war zur Grossreichszeit Hattuscha (heute türk. Bogazköy/Bogazkale) in dem Norden von Zentralanatolien, etwa 150 km. östlich von Ankara.
Buch-Tipp: Der Sieger von Kadesch Hervorragend recherchiert, aber technisch nicht perfekt Der Usurpator Hattusili, Großkönig des Hethiterreichs, und seine Gemahlin Puduhepa wollen in dem Rahmen eines religiösen Fests sowohl Gegnern in den eigenen Reihen als auch ausländischen Gesandten die Legitimität ihrer Herrschaft demonstrieren. Als eine Reihe von Morden geschieht, muß der Oberste... Hethitische Fürstentümer | |
(ca. ?–1700 v. Chr.)
In der hethitischen Frühzeit wurde der hattische Kulturraum von hethitischen Fürstentümern beherrscht. Über einen regen Handelsaustausch mit dem Zweistromland (Assur) bildete sich Kanisch/Nescha als bedeutendste hethitische Handelsmetropole heraus.
In dieser Zeit entwickelte sich unter Einfluss der Handelsbeziehungen die hethitische Kultur weiter (eine Übernahme der altassyrischen Keilschrift fand nicht statt), jedoch noch keine politische Einheit. So wurde ungefähr 1700 v.Chr. Hattuscha von einem verfeindeten hethitischen Fürsten zerstört. In diesem Zeitraum gingen auch die Handelsbeziehungen nach Assyrien abrupt zu Ende, wohl durch Blockade der Reisewege durch die in Syrien eingewanderten Hurriter.
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Die Zeit des hethitischen Alten und Mittleren Reichs | |
(ca. 1600–1350 v. Chr.)
Der erste hethitische Großkönig, der in Hattuscha seine Residenz nahm, stammte ursprünglich aus der Stadt des einstigen Zerstörers. Er nahm aber den Namen Hattuschili, „der von Hattuscha“, an. Unter seiner Herrschaft kam es zur Einführung der mesopotamischen Keilschrift in einer nordsyrischen Variante (Keilschriftliteratur), die mit dem Zusammenbruch des assyrischen Handelsnetzes aus Anatolien wieder verschwunden war. Daraus entwickelte sich eine anatolische Schreibtradition, die zur Überlieferung einer Unmenge von Daten auf beschrifteten Tontafeln geführt hat: Hethitische Staatskorrespondenz und -verträge sind ebenso erhalten geblieben wie Gesetzessammlungen, Kultvorschriften, Orakel und altorientalische Literatur. Die seit 1906 ausgegrabenen Archive von Hattuscha mit rund 30 Tausend Tontafelfragmenten bilden den Hauptfundus.
Großkönig Hattuschili I. betrieb den Ausbau des Reiches durch gezielte Eroberungen in Inneranatolien und eine Expansion nach Süden über das Taurusgebirge hinweg nach Nordsyrien. Sein Nachfolger Murschili setzte die Eroberungen in dem Süden fort, deren Absicht die Ausschaltung der Syrischen Stadtstaaten und die KontroRaubzug nach Babylon (1200 km Luftlinie von Hattuscha!) beendete Dynastie von Hammurapi. Bald darauf wurde Murschili ermordet, und es folgte eine Zeit der Unruhe. Der direkte hethitische Machtbereich war am Ende dieser Zeit wieder auf die zentralanatolischen Gebiete geschrumpft, und der Staat befand sich in einer tiefen Krise.
Buch-Tipp: Die Hethiter. Geschichte - Gesellschaft - Kultur Kompetenter Überblick Jörg Klinger hat eine Einführung die Geschichte der Hethiter geschrieben, die nicht zuletzt für Wissenschaftler der Nachbardisziplinen wie Ägyptologen oder Klassische Archäologen ihren Wert hat. Besitzen doch hethitische Quellen z. B. für die Erforschung des mykenischen Griechentums hohe Bedeutung. Da man nicht immer... |
Die Zeit des hethitischen Großreichs | |
(ca. 1350–1180 v. Chr.)
Großkönig Schuppiluliuma I. reformierte das Reich und konnte seine mächtigen Gegenspieler, das Volk der Mittani in dem Bereich von Euphrat und Tigris (heute Südosttürkei, Nordsyrien und Nordirak) zurückdrängen. Auch das in dem Westen gelegene, zwischenzeitlich zur Grossmacht aufgestiegene Reich Arzawa wurde zerschlagen. Das Hethitische Reich beherrschte nun fast ganz Kleinasien und Syrien. Das hethitische Gebiet in Syrien grenzte direkt an die nördlichste Provinz des ägyptischen Pharaonenreiches, und so kam es auch zwischen diesen beiden Mächten bald zu Kämpfen.
Als eines der bedeutendsten historischen Ereignisse der hethitischen Geschichte zählt die Schlacht von Kadesch (ca. 1274 v. Chr.), in der die Armeen des Großkönigs Muwattalli II. und Ramses II. aufeinandertrafen sowie der nachfolgende Vertrag zwischen Ramses II. und Hattuschili III. (ca. 1259 v. Chr.) Hierbei handelt es sich um den ältesten bekannten Friedensvertrag der Welt, von dem unter anderem eine Kopie – als ein Symbol für den Frieden – in dem UNO-Gebäude in New York zu sehen ist.
Unter Muwattalli II. verlor Hattuscha für kurze Zeit die Rolle der Hauptstadt. Er verlegte seine Residenz nach Süden (Datassa in Tarhuntassa, bisher noch nicht wiederentdeckt). Aber schon sein Nachfolger Murschili III. kehrte nach Hattuscha zurück, wurde jedoch bald von seinem Onkel Hattuschili III. abgesetzt. Unter diesem Großkönig und seinem Sohn Tudhaliya IV. erlebte die Stadt offensichtlich noch einmal eine Blüte. Hattuscha war nicht ca. politische Hauptstadt, sondern auch das Kultzentrum des Landes – die Residenz der „Tausend Götter des Hatti-Landes.“
Wiederum konnten Thronfolgestreitigkeiten, Missernten und feindliche Angriffe den Staat gegen Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. schwächen. Es war eine Zeit der Unruhe in dem gesamten Ostmittelmeerraum, bei der besonders die küstennahen Länder unter dem Ansturm von Piraten, den so genannten Seevölkern, zu leiden hatten. Der letzte bekannte Großkönig, Schuppiluliuma II.. berichtet von Kämpfen vor und auf Alasija (Zypern) und in Arzawa (Westanatolien). Überall fanden Bevölkerungsverschiebungen statt, und in Zentralanatolien ergab sich kein Ersatz für die Reichsstruktur der Hethiter – das Land kehrte in einen Zustand bäuerlicher, teilweise nomadischer Lebensweise zurück. Das Ende der Bronzezeit fällt mit dem Zusammenbruch des Hethiterreiches und zeitgleich mit der Zerstörung von Troja (heth. vermutlich Wilusa ) zusammen.
Buch-Tipp: Enge Schlucht und Schwarzer Berg. Entdeckung des Hethiter-Reiches. Das Buch " Enge Schlucht und Schwarzer Berg. Entdeckung des Hethiter-Reiches. " ist leider ohne Beschreibung. Klicken Sie auf den Link über diesem Text um zu der Seite des Buchhändlers zu gelangen. Beim Klicken ö ffnet sich automatich ein neues Fenster mit dem Entsprechenden Buch. |
späthethitischen Fürstentümer | |
(1200–700 v.Chr.)
Etwa um 1200 v.Chr. ziehen sich die Hethiter nach Südostanatolien und Syrien zurück, wo luwische Bevölkerung und/oder Oberschichten in den so genannten späthethitischen Fürstentümern noch einige Jahrhunderte die Kultur des Großreichs weiterpflegen, bis sie dem neuassyrischen Reich zu dem Opfer fallen.
Dann verschwinden die Hethiter aus der Weltgeschichte.
Buch-Tipp: Frühe Hochkulturen (Theiss Illustrierte Weltgeschichte) Für das Studium unbedingt empfehlenswert Dieser Band aus der Reihe "Theiss Illustrierte Weltgeschichte" beschäftigt sich mit der Geschichte der Ägypter, Sumerer, Babylonier, Assyrer, Minoer, Phöniker und Perser. Der Band ist sehr anregend geschrieben und reich bebildert. Gemeinsam mit den Bänden "Frühe Völker Europas" und... |
Liste der hethitischen Großkönige (Daten nach der Kurzchronologie) | |
(Zu den Schreibungen: Die heth. Aussprache des Keilschriftzeichens Schin ist umstritten, darum findet sich in der Literatur die Umschrift 's' neben 'sch')
- Pithana
- Anitta
- Huzziya 0.
- Labarna I.
- Hattuschili I.
- Mursili I. (1531 Plünderung Babylons)
- Hantili I.
- Zidanza I.
- Ammuna
- Huzziya I.
- Telipinu
- Tahurwaili (Platzierung unsicher)
- Alluwamna
- Hantili II.
- Zidanza II.
- Huzziya II.
- Muwatalli I.
- Kantuzzili (?)
- Tudhaliya I. (II.)
- Arnuwanda I.
- Tudhaliya II. (III.)
- Suppiluliuma I. (um 1330)
- Arnuwanda II.
- Mursili II.
- Muwatalli II. (1274 Schlacht von Kadesch)
- Mursili III (Urhiteschob)
- Hattuschili III. (Friedensvertrag mit Ägypten 1253)
- Tudhaliya IV.
- Kurunta (?)
- Arnuwanda III.
- Suppiluliuma II. (um 1200)
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